Damit keiner den Spaß an der Arbeit verliertVon unserem Mitarbeiter Wolfgang Mulke Anscheinend sind die Zeiten vorbei, in denen die Unternehmen in schlechten Zeiten möglichst rasch Stellen abbauen. Das ist auch eine Frage der Firmenkultur, glaubt Ralf Brauksiepe, der als Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium den Überblick hat. „Es geht gemeinsam durch die Krise“, beobachtet der Politiker. Immer häufiger suchen Chefetage und Fußvolk den Schulterschluss. Das belegen zum Beispiel ausgewählte Antworten einer Umfrage unter 50.000 Beschäftigten aus 235 Unternehmen für die Wahl der „besten Arbeitgeber 2010“. „Trotz Wirtschaftskrise hat hier keiner den Spaß an der Arbeit verloren“, schrieb ein Mitarbeiter, „man wird für seine Arbeit persönlich wertgeschätzt“, lobt ein anderer seinen Betrieb. Normal ist das nicht. Bei einer repräsentativen Studie des Arbeitsministeriums unter allen Betrieben sagten nicht einmal zwei Drittel der Beschäftigten, dass ihr Arbeitsplatz sehr gut sei. Eine DGB-Umfrage zur „guten Arbeit“ ergab ein noch schlechteres Ergebnis. Nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer finden die Bedingungen des Broterwerbs gut. Bei den hundert besten Arbeitgebern dieses Jahrgangs ist das Klima deutlich besser. Neun von zehn Beschäftigten sind dort rundum zufrieden. Diese Firmen zeichnet unabhängig von ihrer Größe eines aus. „Das Geben und Nehmen ist fair“, sagt Frank Hauser, der das Ranking vornahm. Hohe Sozialleistungen Noch ausgeprägter ist der Unterschied zwischen Durchschnittsbetrieben und guten Arbeitgebern in Detailfragen. Bei letzteren sind die Sozialleistungen viel höher, und die Führungskräfte erkennen gute Arbeit an. Mehr als doppelt so hoch ist der Anteil der Mitarbeiter, die Kündigungen nur als letzten Ausweg erwarten. Auch die Mitarbeiterbeteiligung und Weiterbildungsangebote gehören bei den guten Chefs häufiger zur Personalpolitik als anderswo. Die Zufriedenheit zahlt sich aus. „Die ausgezeichneten Unternehmen sind überdurchschnittlich erfolgreich“, hat Hauser festgestellt. Im Süden und Westen Deutschlands ist diese Botschaft offenkundig früher angekommen als im Rest des Landes. Die meisten gekürten Unternehmen kommen aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. Für „die vertrauensvolle Beziehung zwischen Management und Belegschaft, engagierte Mitarbeiter und einen lebendigen Teamgeist“ wurde etwa auch das Markdorfer Unternehmen TechniData AG und TechniData BCS beim Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber“ ausgezeichnet. Die Bezahlung ist für die meisten Jobsuchenden, jedenfalls in qualifizierten Berufen, nur ein Kriterium einer Bewerbung. Den Beschäftigten kommt es auch darauf an, dass sich der tägliche Weg zur Arbeit auch menschlich lohnt, Anerkennung, Absicherung und Entwicklungschancen bietet. Eine intensive Recherche der Arbeitsbedingungen vor der ersten Vorstellung im Betrieb kann daher von großem Wert sein. Wie ist das Klima? Ein eigener Fragenkatalog zu den für den Bewerber wichtigsten Punkten kann behilflich sein. Gerade die Mitarbeiter im Betrieb können aufschlussreiche Auskünfte bieten, wenn es um die „weichen“ Arbeitsbedingungen geht. Gibt es ein freundliches Betriebsklima? Wird die berufliche Weiterentwicklung gefördert? Sagen Führungskräfte klar und deutlich, was sie erwarten? Sind die Vorgesetzten verlässlich und offen für Fragen? Wird eine Bewerbung im Betrieb empfohlen? Wie sind die Sozialleistungen? Das ist nur eine kleine Auswahl aus dem Fragebogen, den Tausende Beschäftigte für die Wahl der besten Arbeitgeber ausgefüllt haben. Für Brauksiepe ist die Mitarbeiterorientierung der Unternehmen ein Zukunftsmodell. „Es zeigt, dass wir in Deutschland unsere eigenen humanen Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit finden können“, sagt der Staatssekretär. Faire Arbeitsbedingungen und Wettbewerbsfähigkeit würden sich sogar bedingen. Auch deshalb will das Arbeitsministerium bei der Verbreitung der Idee mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) helfen. Auf der Internetseite veröffentlicht das Ministerium vorbildliche Modelle, mit denen einzelne Firmen die Arbeitsbedingungen verträglich gestalten. Eine Datenbank archiviert die Modelle. So können sowohl Arbeitgeber als auch Beschäftigte nach Ideen forschen, die für ihren eigenen Betrieb gut umsetzbar sind und in Frage kommen. Darüber hinaus gibt es auch Initiativen der Wirtschaft, die Jobsuchende auf die Spur passender Arbeitgeber führen. Eine davon heißt Zukunft Mittelstand, die sich der Corporate Social Responsibility (CSR) verschrieben hat, also der gesellschaftlichen Verantwortung in der Unternehmensführung, zu erreichen über die Webadresse www.csr-mittelstand.de. (Erschienen: 01.03.2010 10:25) |
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